Das Symbol der Stadtgeschichte: Der Neptunbrunnen

Neptunbrunnen, Autor: Elias Axt, fotografiert am 11.08.2022

Das Herzstück Weimars

Mitten im kulturellen Zentrum Weimars, auf dem lebendigen Marktplatz, thront er: Der Neptunbrunnen. Mit rund 30 Brunnen in der Stadt, die allesamt eine historische Bedeutung tragen, hebt sich der Neptunbrunnen besonders hervor. Er erzählt nicht nur von der tiefen Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt, sondern auch von den Herausforderungen, die er über die Jahrhunderte hinweg gemeistert hat.

Von Einfachheit zu Majestät

Der Ort, an dem heute der prächtige Neptunbrunnen steht, beherbergte einst einen bescheidenen Ziehbrunnen. Dieser wurde im Jahr 1540 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Rund 40 Jahre nach dieser ersten Erwähnung, im Zeichen wachsenden Wohlstands und städtischer Entwicklung, wurde dieser Brunnen durch eine prächtigere Konstruktion mit einer Löwenfigur ersetzt. Doch das war nicht sein letztes Update: Im Jahr 1774 verwandelte sich der „Löwenbrunnen“ durch die hinzugefügte Neptunfigur, ein Meisterwerk des Hofbildhauers Martin Gottlieb Klauer1, in den heute bekannten „Neptunbrunnen“.

Detailreiche Architektur, ein Fest für die Augen

Jedes Detail des Neptunbrunnens wurde sorgfältig geplant und umgesetzt. Das achteckige Brunnenbecken, kunstvoll aus Berkaer Sandstein gemeißelt, dient als solide Basis. Darauf folgt das Elbsandstein-Podest, das als Unterbau für die Hauptattraktion dient: den Neptun.

Dieser Gott des Wassers und der Meere, dargestellt in mächtiger Pose und festem Blick, hält seinen ikonischen Dreizack, ein Symbol seiner Macht über die Meere. Direkt zu seinen Füßen, in verspieltem Kontrast zu Neptuns Majestät, befindet sich ein junger Steinjunge, der einen Delfin umarmt. Das Wasser, das aus dem Maul des Delfins fließt, erinnert daran, dass dies nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein funktionaler Brunnen ist.

Historische Resonanz, „Quos Ego …“ oder „Euch werde ich“

Ein besonders bemerkenswertes Detail ist die Inschrift „Quos Ego“ am Sockel des Brunnens. Ein Zitat aus dem berühmten Epos „Aeneis“ des römischen Dichters Vergil. Es stellt eine direkte Referenz zu Neptuns Macht über die stürmischen Winde und die tobenden Meere dar, eine feine Berührung, die die kulturelle und historische Tiefe des Brunnens unterstreicht.

Ein Zeuge der Zeit

Der Neptunbrunnen hat nicht nur Jahrhunderte überstanden, sondern auch eine Fülle von städtischen Entwicklungen und Veränderungen miterlebt. Er hat Könige und Künstler, wie den Kurfürsten Johann Friedrich und den Maler Lucas Cranach, begrüßt. Er hat festliche Turniere, den Auf- und Abstieg von Gebäuden und sogar die Zerstörungen des Krieges beobachtet. Aber durch all diese Zeiten hindurch bleibt er ein ständiges Symbol der Schönheit, Resilienz2 und Geschichte von Weimar.

Einordnung

Die Neptunfigur spiegelt die Wiederauferstehung der römischen klassischen Kunst wider. Der Gott Neptun symbolisiert dabei eine Renaissance, also eine Wiederauferstehung alter Mythen, was in damit in die Epoche der Renaissance einordbar macht.


  1. Martin Gottlieb Klauer, * 29. August 1742 in Rudolstadt † 4. April 1801 in Weimar, deutscher Bildhauer, Hofbildhauer, Kunstlehrer an der freien Zeichenschule
    (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Gottlieb_Klauer Zugriff: 11.10.23 18:52) ↩︎
  2. Resilienz: Widerstandsfähigkeit ↩︎