
Der Goethebrunnen, ein Blickfang am Frauenplan in Weimar, erhebt sich direkt gegenüber dem Wohnhaus Johann Wolfgang von Goethe. Entworfen wurde dieser markante Brunnen von Clemens Wenzeslaus Coudray, dem Stadtbaumeister von Weimar, und ist einer von zwei gusseisernen Brunnen, die er bei der Gießerei Günstersfeld in Ilmenau in Auftrag gab.
Merkmale und Symbolik des Brunnens
Der Brunnen steht auf steinernen Sockeln und die umrahmenden Eisenplatten bilden ein Achteck. In der Mitte jeder Platte befindet sich das Bild einer trinkenden Schlange, welche von einem Blätterkranz umgeben ist. Die Schlange gilt als Symbol für Lebenskraft, Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit. Eine Säule erhebt sich am hinteren Teil des Achtecks, aus der das Wasser durch die Figur eines speienden Delfins ins Brunnenbecken fließt. Sowohl Platten als auch die Säule sind grün gestrichen. Eine später hinzugefügte Hundetränke steht mittig am Fuße des Brunnens. Die Säule trägt die Initialen „CA“ von Erzherzog Carl August1 und eine Krone. Auf der Rückseite der Säule befindet sich die Jahreszahl 18222. Der Delfin, als Wasserspeier, ist mit einem Dreizack ausgestattet. Diese Merkmale und Symbole tragen zur künstlerischen Ausgestaltung des Brunnens bei.
Historische und standörtliche Bedeutung
Der Goethebrunnen hatte eine entscheidende Rolle in der Wasserversorgung der Weimarer Bevölkerung. Bis zum Bau eines Leitungssystems im Jahr 1882-84, welches auch private Grundstücke und Haushalte versorgte, waren öffentliche Brunnen wie dieser für die Einwohner von großer Bedeutung. Sie dienten nicht nur der Wasserversorgung, sondern waren auch beliebte Treffpunkte. Der Brunnen befindet sich im Zentrum des Frauenplans, direkt gegenüber von Goethes Wohnhaus. Dieser Standort macht ihn zu einem der bekanntesten Brunnen in Weimar.
Bedeutung und Erhaltung
Der Goethebrunnen ist nicht nur ein historisches und künstlerisches Meisterwerk, sondern auch eine Hommage an Johann Wolfgang von Goethe und eine wichtige Wasserquelle der Stadtgeschichte. Bis heute zählt er zu den kostbarsten Brunnenanlagen der Stadt Weimar. Der Goethebrunnen am Frauenplan, als ein Kunstwerk und historisches Zeugnis, ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Bedeutung von Brunnen in der städtischen Wasserversorgung und als Orte des gesellschaftlichen Lebens in der Vergangenheit.
Nutzung des Brunnens
In der kulturellen Landschaft Weimars spiegelt sich die tief verwurzelte Bedeutung von Wasser und Brunnen nicht nur in der Architektur und Kunst wider, sondern auch in sozialen und kulturellen Praktiken. Ein bemerkenswertes Beispiel ist das alljährliche Ritual, das am Goethebrunnen am Frauenplan stattfindet. Jährlich versammeln sich die Abiturienten des Goethe-Gymnasiums an diesem historischen Ort, um ein Übergangsritual zu zelebrieren, eine sogenannte „Taufe“. Obwohl die Bezeichnung „Taufe“ religiöse Konnotationen3 mit sich bringt, hat dieses Ritual weniger mit religiöser Zeremonie als vielmehr mit dem Übergang von einem Lebensabschnitt zum nächsten zu tun. Es markiert den Abschluss ihrer schulischen Ausbildung und den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Diese Praxis, obwohl zeitlich begrenzt im Vergleich zur langen Geschichte Weimars, hat sich tief in die kulturelle Identität des Gymnasiums eingegraben.
Die Verwendung von Wasser in diesem Ritual betont erneut die universalen und kulturellen Bedeutungen von Wasser als Medium der Reinigung, Erneuerung und Transformation. Der Goethebrunnen bietet dabei nicht nur einen physischen, sondern auch einen symbolischen Raum für diese Handlung. Er verknüpft die Schüler mit der Geschichte der Stadt und dem literarischen Erbe Goethes.
Einordnung
Entstanden ist der Brunnen in der Zeit der Romantik. Auffällig am Brunnen ist das klassizistische Gefäß, ein Krater. Des Weiteren befinden sich an den Eisenplatten an den Seiten Verzierungen in Form von Schlangen. Dies ist ein Ausdruck aus der Romantik.
- Erzherzog Carl August, * 3. September 1757 Weimar; † 14. Juni 1828 Torgau, ab 1815 Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, Sohn von Anna Amalia.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_August_(Sachsen-Weimar-Eisenach) Zugriff: 11.10.2023 17:13) ↩︎ - 1822, anstelle eines älteren hölzernen Brunnens aufgestellt ↩︎
- Konnotation: assoziative, emotionale, stilistische, wertende Begleitvorstellung ↩︎