
Die Lage und die Umgebung
In der malerischen Altstadt von Weimar, an der Kreuzung zwischen Geleitstraße und Scherfgasse, findet man ein bemerkenswertes Denkmal der Stadtgeschichte. Nahe des beeindruckenden Köstritzer Schwarzbierhauses, das durch sein schönes Fachwerk auffällt, liegt einer der schönsten Brunnen der Stadt, der Geleitbrunnen. Er gehört zu einem der sechs Sandsteinbrunnen, die Großherzogin Maria Pawlowna der Stadt Weimar geschenkt hatte.
Im Jahr 1847 wurde dieser Brunnen aufgestellt und ersetzte an dieser Stelle einen früheren, einfacheren Brunnen. Ein Schild mit dem Monogramm MP und der Krone der Großherzogin erinnert an die Stifterin dieses architektonischen Wahrzeichens.
Die Geschichte des Namens „Geleit“
Die Bezeichnung „Geleit-“ im Namen des Brunnens und der Straße hat eine besondere Bedeutung. Sie stammt vom „Geleithaus“, einem Wohnhaus, in dem zwischen 1764 und 1817 die sogenannten „Geleitgelder“, also die Abgaben auf eingeführte Waren, verwahrt wurden. Das Renaissance-Haus heißt bis heute noch so.
Der einzigartige Aufbau
Im Zentrum dieses beeindruckenden Denkmals erhebt sich eine runde Brunnensäule aus dem großen ovalen Sandsteinbecken. Diese Säule wird durch einen Delfin als Wasserspeier verziert, welcher eine tiefe symbolische Bedeutung hat. Der Delphin gilt seit der Antike als Symbol für Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Er verkörpert Lebensfreude, spielerische Leichtigkeit und eine Verbindung zur geistigen Welt. Krönung der Brunnensäule ist eine hohe, schlanke und reich verzierte Vase. Diese wurde im Jahr 1987 bei einer Renovierung des Brunnens erneuert. Der Aufsatz, der eine Kandelaber1 ähnliche Form aufweist, war nach 1945 nur noch fragmentarisch vorhanden und endet mit einer Schale mit hohem Fuß.
Das Erscheinungsbild
Die Form des Brunnens ist besonders auffällig. Das Brunnenbecken ist oval, ausbauchend und erweitert sich nach oben hin. Es befindet sich auf einem planovalen Kalkstein-Sockelring. Der Brunnen selbst besteht aus Berkaer Sandstein, einem Material, das für seine Haltbarkeit und Schönheit bekannt ist. Der Wasserspeier hat die Form eines herunterschwimmenden Delphins, eine Gestaltung, die eine einzigartige Verbindung zwischen Natur und Architektur schafft. Die beiden Absetzsteine gehören zum Brunnenensemble und sind nicht zufällig an der Stelle. Sie tragen zur Symmetrie und zum Gesamteindruck des Denkmals bei.
Einordnung
Entstanden ist der Geleitbrunnen in der Zeit des Vormärz. Da der Brunnen in der Übergangszeit von Romantik zum Biedermeier, entstanden ist, finden sich auch an ihm Hinweise auf beide Kunstepochen. Beim Geleitbrunnen handelt sich um einen zum Laufbrunnen ähnlichen Röhrenbrunnen. Der abwärtsschwimmende Delfin symbolisiert den Naturalismus, der in der Romantik und im Biedermeier vertreten war. Zudem sind an der Säule Blätter abgebildet, welche einen Bezug zur Natur herstellen.
- Kandelaber: Ständer für Kerzen oder Leuchten, mit mehreren Armen
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Armleuchter Zugriff: 11.10.23 18:47) ↩︎